Von Athen, über Rom, zum Neuen

Michael von der Lohe

Der OMNIBUS startet am 7. September nach Rom. Dort ist vom 26.-29.09. das internationale Treffen des „Global Forum on modern Direct Democracy“. Es findet alle ein- bis zwei Jahre statt. Der Themenschwerpunkt wird dieses Mal „Demokratische Städte“ sein und es wird ein Manifest dazu geben, dieses Mal aus der „ewigen Stadt Rom“. Der OMNIBUS wird auf dem Weg an einigen Orten Station machen  und dort haben wir Veranstaltungen geplant, zu Themen, die die Menschen dort vor Ort bewegen. Die einzelnen Stationen sind: München, der Brenner-Pass, Bozen, Trient, Bologna, Rom und auf dem Rückweg  Basel, Stuttgart und das Baumkreuz in Ifta.

Ein Rückblick auf Athen...

Im Jahr 2009 haben wir auf Einladung des Goethe-Instituts eine Süd-Ost-Europa Tour mit unserem OMNIBUS gemacht und 12 Länder besucht. So sind wir nach Athen gekommen, dem Geburtsort der Demokratie. Wir haben dort gelernt, dass die neue Demokratie eng mit der Kunst verbunden war, ja regelrecht aus ihr hervorging. Sie erwuchs noch ganz aus dem Verbundensein mit einer geistigen Welt, die in Bildern erlebt wurde. Diese Einheit ging verloren, in dem Anspruch „Mensch erkenne dich selbst“. Dieses innere Ringen zwischen Altem und Neuem wurde exemplarisch im Theater dargestellt. Dort erfolgte die „Katharsis“, die Reinigung, um dann so abstimmen zu können, dass nicht persönliche Motive, sondern eine überpersönliche, übermenschliche Qualität zur Wirkung kommen konnte. Auch die Skulpturen dieser Zeit sprechen diese Sprache. Erstmalig sind die Menschen nicht mehr statisch dargestellt, wie noch in Ägypten, sondern mit erhabener, aufrechter, bewegter Geste. Die beginnende Individualisierung und das Ringen um Selbstbestimmung der einzelnen Menschen findet in der Kunst den sprechenden Ausdruck. In Athen werden die Freiheitsbestrebungen der Menschheit geboren.

...und auf Rom

Mit dem römischen Weltreich sind wir heute immer noch deutlich mehr verbunden als es uns im Alltag bewusst wird. In Rom ist das öffentliche Recht entstanden. Das Recht, das ursprünglich von denen gesprochen wurde, die sich in „göttlichem Kontakt“ wähnten, kam durch einen Konflikt zwischen dem Adel und den Bürgern aus dem Tempelbereich in den öffentlichen Bereich des Forum Romanum. Die Gesetzestexte, auf Tafeln aufgeschrieben, wurden für alle lesbar ausgestellt. So begann die öffentliche Auslegung der Vorschriften, die in ähnlicher Form heute noch im juristischen Bereich erfolgt. Das Entstehen neuer Gesetze erfolgte danach öffentlich, durch verschiedene Organe, bis hin zu Volksversammlungen. Auch das Eigentumsrecht an Grund und Boden, Sklaven (so zynisch es heute klingen mag) und anderen Gütern wurde zu öffentlich einklagbarem Recht. Auch dies hat –bis auf die Sklaverei – noch heute seine Gültigkeit.

In Rom wird die Entstehung des Rechts ganz zu einer Angelegenheit des Menschen. Der Mensch emanzipiert sich vom Übermenschlichen! Der „Römische Bürger“ ist souverän geworden. Das ist eine so neue und gewaltige Errungenschaft, dass das Bedürfnis oder die Überzeugung entsteht, damit so viele Menschen wie möglich zu „beglücken“. Dies wird dadurch praktiziert, dass von einem Zentrum aus - Rom - durch territoriale Eroberungen die Grenzen des Römischen Reiches immer weiter ausgedehnt werden. Es geschieht auf eine ganz äußerliche Weise. Dies ist heute völlig sinnlos, denn das Zentrum der Demokratie ist innen zu finden - in jedem einzelnen Menschen. Von hier aus bekommt die Demokratie - aus Freiheit- ihre Kraft und Lebendigkeit. Vor dieser Aufgabe stehen wir heute.

Unser Rechtsempfinden und der individuelle Anspruch Recht zu schöpfen

Das Empfinden der Menschen, vor dem Recht gleich zu sein, verstärkt zunehmend auch den Willen, selbstbestimmt über die unmittelbar betreffenden Umstände des Lebens zu entscheiden. Diese „Regionalisierung“ hin zum mir selbst, erzeugt auch die Gegenbewegung, dass wir Fremdbestimmung kaum mehr ertragen können. Entscheidungen, die mich betreffen und die in einer als fern erlebten „Zentrale“ getroffen werden, erzeugen unmittelbaren Widerwillen in unserem Inneren. Hinzu kommt, dass Europa einen sehr großen Reichtum an regionalen Gemeinschaften vorweisen kann, was diesen Umstand wie natürlich verstärkt. Dieser Realprozess der Bewußtseinsentwicklung bewirkt, dass sich die „alte Entscheidungsstruktur“ von Oben nach Unten wandelt und nicht mehr Einzelne für Alle entscheiden, sondern jeder Mensch die Verantwortung für das Ganze erfährt und gefragt sein will.

Eine ganz neue, ins Lebendige strebende Entscheidungskunst ist jetzt in der Entwicklung, die direkt, also ich, unmittelbar erfährt, auf welcher Ebene die Entscheidungen getroffen werden wollen: Ich selbst – zusammen in der Lebensgemeinschaft vor Ort – in der Region – im Zusammenschluss der Regionen – weltweit... Die dazu notwendigen Verfahrensweisen und Gültigkeiten wollen jetzt entwickelt werden.

Wie können wir dies erreichen?

Die notwendende Bedingung scheint die Reinheit der inneren Empfangsstation zu sein. Solange dort Gewohnheiten und ehemals gefällte Urteile wohnen, besteht kaum Raum für das Neue, für die Wahrnehmung dessen, was kommen will. Jede(r) kann seinen Kopf anweisen, darauf zu lauschen, was sich im Herzen ausspricht. Diese Vorgehensweise zur Grundlage des eigenen Handelns zu machen, ist sinn-, also lebensstiftend. Alles Leid der Welt weist auf diesen Weg hin. Wir können die geschichtlichen Ereignisse, die wir überschauen können, auch als Phasen der Menschwerdung beschreiben: aus einer Einheit, einem träumend im Geschehen verwoben sein, über die seelische Vereinzelung, jetzt hin zu einer auf Selbstbestimmung gegründeten Gemeinschaft, gleichberechtigter, sich selbst befreiender Menschen.

Von..., über Athen, Rom, zu Neuem.

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